Die Elektromobilität verändert das Geschäft stärker als gedacht.
Elektroautos entwickeln sich für Werkstätten gerade zum Problem. Bei Service und Reparatur brechen die Umsätze mit zunehmendem E-Auto-Anteil spürbar ein, wie sich jetzt zeigt.
Ein Blick nach Norwegen zeigt, wohin die Reise geht. Dort liegt der Anteil neuer Elektroautos bei rund 96 Prozent. Der dortige VW-Importeur erzielt bei Stromern aber einen um 46 Prozent geringeren Werkstattumsatz als bei vergleichbaren Verbrennern. E-Autos benötigen schließlich weniger Wartung. Kein Ölwechsel, weniger Verschleißteile und ein geringerer Servicebedarf sorgen nicht gerade für klingelnde Kassen.
Für Händler entsteht dadurch eine immer größer werdende Lücke im Aftersales-Geschäft. Viele reagieren darauf bereits: Statt auf E-Autos setzen sie im Service verstärkt auf Garantien für Verbrenner und Hybridmodelle. Ziel ist es, Fahrzeuge möglichst lange an die eigene Vertragswerkstatt zu binden.
Besonders aktiv zeigen sich asiatische Hersteller. Kia bietet sieben Jahre Garantie, Mazda sechs. Am weitesten geht Toyota mit dem Programm „Toyota Relax“. Die Garantie kann bis zu 15 Jahre oder 250.000 Kilometer verlängert werden, sofern das Fahrzeug regelmäßig in der Markenwerkstatt gewartet wird.
Toyota-Deutschland-Chef Mario Köhler erklärt, dass mit „Toyota Relax“ gezielt Kunden zurück in die Vertragswerkstätten geholt würden. Händler berichten, dass auch ältere Fahrzeuge wieder verstärkt im Markenbetrieb auftauchen. Laut Köhler kommen inzwischen rund 60 Prozent der Fahrzeuge im Alter von ein bis zehn Jahren zurück in die Vertragswerkstatt. Das liege deutlich über dem Branchenschnitt.
Für Toyota hat das noch einen weiteren Effekt. Die Kombination aus langer Garantie und hohem Hybridanteil verschiebt mögliche Einbußen im Servicegeschäft zeitlich nach hinten. Köhler geht davon aus, dass Toyota im Aftersales bis 2030 keine Verluste verzeichnen wird (Quelle: Automobilwoche).